"Wildnis ist eine Absage an die Arroganz des Menschen." 

(Aldo Leopold, 1887 - 1948)

Nationalparke

Seit 1872 mit dem Yellowstone-Nationalpark sind weltweit 10 000 Naturschutzgebiete mit dieser Bezeichnung entstanden. Die Internationale Naturschutzunion (IUCN) definiert Nationalparke: 

Nationalparke sollen charakteristische Beispiele für Naturregionen, Naturerscheinungen oder herausragend schöne Landschaften mit entsprechender Größe und Fläche, zur Erfassung eines oder mehrere Ökosysteme sein, die durch menschliche Nutzung nicht wesentlich verändert wurden. 

Neuerdings steht im Vordergrund von Nationalparkkonzepten besonders der Prozessschutz von ökologischen Abläufen. Weitere Ziele eines Nationalparks sind neben Artenschutz und Erhaltung der genetischen Vielfalt auch die Tourismus- und Erholungsfunktion, sowie der Schutz von natürlichen oder kulturellen Einrichtungen. 

In Deutschland stellen Nationalparke die höchste staatliche Form des Naturschutzes dar. Vom Bayerischen Wald bis zum Wattenmeer an der Nordseeküste, von den Alpen bei Berchtesgaden bis zu den Boddengewässern an der Ostsee gibt es hierzulande inzwischen 14 Nationalparke, die unsere letzten Naturlandschaften schützen und vor der fortschreitenden Naturzerstörung bewahren sollen. Fünf Nationalparke sind an den Küsten - zwei an der Ostsee (Jasmund, Vorpommersche Boddenlandschaft), drei an der Nordsee (Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein) - zu finden.

Problematisch erscheint in Deutschland bisweilen die Zuordnung des Naturschutzes und damit auch der Nationalparke zu den Bundesländern. Damit gibt es z. B. für die Nordseeküste als ein zu schützendes Gebiet drei Nationalparkämter, drei Nationalparkgesetze, usw.

Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer

Seit 1973 hat es in Schleswig-Holstein mehrere Versuche gegeben einen Nationalpark am Wattenmeer mittels eines entsprechenden Gesetzes einzurichten. Diese Versuche scheiterten an den Protesten der einheimischen Bevölkerung.

Erst im Juli 1985 konnte eine Gesetzesverabschiedung zum Nationalpark vom Schleswig-Holsteinischen Landtag in Kiel stattfinden. Aspekte des Naturschutzes, der Interessen der Menschen vor Ort, der traditionellen Nutzungen waren darin neben dem Gedanken des Prozessschutzes enthalten. 

Die eigentliche Gründung des Nationalparks im Oktober 1985 stellte dann ein 272 000 ha großes Gebiet unter Schutz, das 150 m vor der Deichkrone beginnt und bis zur äußeren Küstenlinie (5 - 10 m Tiefenlinie). Im Gegensatz zu anderen Nationalparken (z. B. Niedersachsen) sind die Inseln und bewohnte Halligen vom Nationalparkgebiet ausgenommen. 

Die Eigentumsverhältnisse im Nationalpark sind einfach geregelt: Land und Bund teilen sich 99 % der Fläche des Nationalparks. 

Zuständig sind für den Nationalpark Regional-, Landes- und Bundesbehörden (siehe Abb. links)

Verwaltet wir der Nationalpark vom Landesamt für den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer mit Sitz in Tönning, das direkt dem Ministerium für Umwelt, Natur und Forsten unterstellt ist.

Als Besonderheit ist die Verankerung von den Kuratorien "Nordfriesland" und "Dithmarschen" im Nationalparkgesetz zu sehen. Grundsatzentscheidungen des Nationalparkamtes sollen im Einvernehmen mit den Kuratorien geschlossen werden. Außerdem sollen sie zur Wahrung der Interessen der einheimischen Bevölkerung, diverser Berufsverbände und Naturschutzverbände dienen. Alle fünf Jahre werden die jeweils 24 Mitglieder neu gewählt. 

 
1989 ist mit Unterstützung der Kuratorien die Ökosystemforschung Wattenmeer ins Leben gerufen worden. Sie sollte auf wissenschaftlicher Grundlage Konzepte für den zukünftigen Schutz des Nationalparks erarbeiten. 

Der Abschlußbericht der Ökosystemforschung Wattenmeer wurde 1996 vorgestellt. Er mündet in konkrete Vorschläge zur Entwicklung des Nationalparks und zur Erneuerung des Nationalparkgesetzes in Schleswig-Holstein.